Mords-Erlebnis auf Schloss Netzschkau
Krimiautorin schart "Komplizen" um sich
Krimi-Nacht im alten Gemäuer
Kleiner Mann verhindert Nachtarbeit an Krimis
Vielleicht ein Schlossgespenst zur Kriminacht
Ein Mord kann einem das ganze Leben versauen
Krimiautoren servieren Nervenkitzel
Anzeige im Kaufhaus
Schwarzer Humor bleibt im Halse stecken
Eine mörderische Kriminacht im Schloss
Kriminacht schlägt Wellen von Ostfriesland...
"Lebendige Leichen" inklusive
Volles Haus bei Netzschkau Kriminacht

 

 

Ein Mords-Erlebnis auf Schloss Netzschkau
Sächsischer Krimistammtisch berät Projekte für 2006

Netzschkau. Die erste Sächsische Krimi-Nacht soll ein Mords-Erlebnis werden. Darin waren sich die Krimiautoren aus dem Freistaat Sachsen am Sonnabend bei ihrem vierten Krimistammtisch einig. Das Netzschkauer Schloss hatten sie als Treffpunkt ausgewählt, weil am 17. Juni 2006 die Premiere im historischen Gemäuer der Vogtlandstadt steigen soll. Neun in Sachsen lebende Autoren haben ihre Teilnahme zugesagt. Claudia Puhlfürst aus Zwickau, Henner Kotte, Uwe Schimunek und Ethel Scheffler aus Leipzig, Beate Baum aus Dresden, Maren Schwarz aus Rodewisch, Jens Eumann aus Chemnitz, Mario Ulbrich aus Grünhain und Ruth Borcherding-Witzke aus Sachsenburg vertreten eine große Bandbreite krimineller Literatur, von der Komödie im "Revier Tief-Ost" über Kurzgeschichten bis zum Psychothriller, von authentischen Fällen wie dem Kannibalen von Chemnitz bis zur totalen Fiktion. Neulinge wie Ethel Scheffler erhalten die gleiche Chance wie der MDR-Literaturpreisträger Henner Kotte als einer der alten Hasen.

Der Arbeitstitel "Leichenfinger & Tote Oma" weist auf ein Buch hin, das im Mittelpunkt der Veranstaltung steht. Die von Ruth Borcherding-Witzke zusammengestellte Anthologie "Mördorrisch legger" erscheint zur Leipziger Buchmesse. Die enthaltenen Kurzkrimis drehen sich um sächsische Gerichte, von Schwammespalken bis zur Eierschecke. Sozusagen als Beilage wird das dazugehörige Rezept kredenzt. Die Gäste der Kriminacht können wählen zwischen Spannung pur mit Gänsehaut oder Angriffen auf Lachmuskeln und Geschmacksnerven. Im Vorfeld der Veranstaltung wird ein Kurzkrimi-Wettbewerb "Tatort Küche" ausgeschrieben. Die Teilnehmer müssen eine von Ruth Borcherding-Witzke begonnene Geschichte vervollständigen. Die Lesung der Sieger-Story steht am Abschluss des Abends.

Bevor die erste Sächsische Krimi-Nacht steigt, gibt es in Zwickau einen "Mordsfrühling". Claudia Puhlfürst und die Zwickauer Buchhandlung Marx und Nachfahren stellen ein einwöchiges Programm für Anfang Mai auf die Beine. Die Lesungen werden in Schulen, Gaststätten, musealen und kulturellen Einrichtungen stattfinden, immer auf den jeweiligen Ort der Handlung abgestimmt. Außerdem sollen Fachleute wie Kriminalisten, Detektive oder Pathologen zu Wort kommen. Beate Baum würde gern in den Räumen der "Freien Presse" lesen, denn ihre neueste Arbeit spielt in einer Lokalredaktion.

Freie Presse 14.11.2005 (Text: Petra Steps)


Zwickauer Krimi-Autorin
schart "Komplizen" um sich

Schreibwettbewerb läutet "1. Sächsische Krimi-Nacht" ein

Nicht genug damit, dass sie selbst wehrlose Mädchen ermorden lässt. Nein, jetzt schart sie auch noch eine Horde "Komplizen" um sich, um sie in der "Kunst des Metzelns" zu schulen. Die Zwickauerin Claudia Puhlfürst, deren Kriminalromane wie "Leichenstarre" oder "Eiseskälte" sie der Vorliebe für psychopathische Triebmörder überführen, ruft gemeinsam mit zwei Kolleginnen ihrer Zunft einen Wettbewerb für Nachwuchs-Schreiber ins Leben.

Unter dem Motto: "Tatort Küche" sollen die Teilnehmer einen maximal fünfseitigen Kurzkrimi zu Papier bringen. Die Veranstalter, außer Claudia Puhlfürst sind das Maren Schwarz aus dem Vogtland, Ruth-Borcherding-Witzke aus Frankenberg und die Journalistin Petra Steps, haben den Anfang der Geschichte vorgegeben: Kommissarin Katharina Clever wird vom Telefon beim Frühstück gestört. Ihr Assistent ruft sie an den Tatort eines Verbrechens, dessen Umstände mysteriös scheinen. Als die Kommissarin jenen Tatort, eine nicht näher beschriebene Küche, betritt, erstarrt sie, ob des erschreckenden Anblicks. Was sie sieht, bleibt ebenso der mörderischen Kreativität der Schreiber überlassen wie die Lösung des Falls.

Als Preise winken Bücher und freier Eintritt zur "1. Sächsischen Kriminacht", die am 17. Juni im Schloss Netzschkau stattfindet. Dort treiben zehn sächsische Kriminalautoren bei 16 Lesungen dem Publikum kalte Schauer über den Rücken. "Und der beste Kurzkrimi des Wettbewerbs soll auch vorgelesen werden, am besten durch den Autor selbst", sagt Puhlfürst.

Ob der Wettbewerb den Anfang einer neuen Krimiautoren-Karriere begründet, ist natürlich ungewiss, allerdings ist auch ein Verlag als Sponsor des Wettbewerbs mit im Boot. Die computer- oder maschinegeschriebenen Manuskripte sind zu senden an den Förderverein Schloss Netzschkau, Petra Steps, Markt 12 oder an Petra Steps, Hohe Gasse 38 in 08491 Netzschkau-Lambzig. Einsendeschluss ist der 15. Mai.

Freie Presse 12.01.2006 (Text: Jens Eumann)


Krimi-Nacht im alten Gemäuer
Programm für Lesemarathon steht fest -
Interesse an Netzschkauer Pilotprojekt ist groß


Netzschkau. Mit ihrer Idee von der 1. Sächsischen Krimi-Nacht haben die Mitglieder des Fördervereins Schloss Netzschkau offenbar voll ins Schwarze getroffen. Die ersten Informationen über die am 17. Juni stattfindende Veranstaltung standen gerade mal im Internet, als schon erste Anfragen aus ganz Deutschland und sogar aus Wien eintrafen. Krimiautoren, ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes im Ruhestand, der selbst Krimis schreibt und mit einer Netzschkauerin verheiratet ist sowie Krimifreunde meldeten sich beim Verein.
Inzwischen steht der Ablauf des Abends fest. Gelesen wird in vier Staffeln jeweils in unterschiedlichen Räumen vom Keller bis zum Fechtboden. Eingeladen wurden ausschließlich sächsische Autoren. Claudia Puhlfürst (Zwickau), Maren Schwarz (Rodewisch), Ruth Borcherding-Witzke (Sachsenburg), Beate Baum (Dresden) Ethel Scheffler, Henner Kotte, Uwe Schimunek (alle Leipzig), Mario Ulbrich, Jens Eumann (beide Chemnitz) sowie Ralf Alex Fichtner (Schwarzenberg) werden Kriminelles von der Komödie bis zur gruseligen Schauergeschichte lesen.
In der letzten Lesung des Abends steht das Buch "Mördorrisch legger" im Mittelpunkt. Die Anthologie mit Kurzkrimis und sächsischen Rezepten erscheint im März im Mitteldeutschen Verlag. Alle fünf an der Kriminacht beteiligten Frauen haben einen Kurzkrimi mit Rezept beigesteuert.
Zum Schluss der Veranstaltung wird der Sieger eines extra für die Krimi-Nacht ausgeschriebenen Kurzkrimi-Wettbewerbes gekürt und die Siegergeschichte gelesen. Ruth Borcherding-Witzke hat passend zur von ihr mit herausgegebenen Krimi-Anthologie "Mördorrisch legger" den Anfang des Kurz-Krimis unter dem Motto "Tatort Küche" vorgegeben. Der erste Wettbewerbsbeitrag ging am Dienstag bei den Organisatoren ein. Ein Krimi-Autor aus Alzey schickte seine Geschichte "Mondscheintee". Ralf Alex Fichtner, unter seinem Synonym RAF vor allem als Eulenspiegel- und Karikaturenzeichner bekannt, wird nicht nur lesen, sondern gemeinsam mit seinem Sohn Alex Fichtner eine Ausstellung zum Thema "Kopfsalat. Mörderische Cartoons und Comics" gestalten.
Beim ersten Sächsischen Krimi-Stammtisch am 28. Januar in Leipzig beraten die Initiatoren gemeinsam mit den Autoren weitere organisatorische Details. Der Erfolg der Krimi-Nacht im Schloss entscheidet über die Fortsetzung in den kommenden Jahren. "Wenn die Veranstaltung gut angenommen wird, können wir uns ausgehend vom Netzschkauer Pilotprojekt die Erweiterung auf andere Veranstaltungsorte und auch andere Formen der Beschäftigung mit dem Thema Krimi vorstellen. Wir habend dafür schon eine Menge Ideen in der Schublade", erklärte der Vereinsvorsitzende Volker Steps.
Informationen
Zur Krimi-Nacht und zum Wettbewerb gibt es im Internet unter www.schloss-netzschkau.de oder bei Familie Steps unter Telefon 03765/305199 weitere Informationen.

Freie Presse (Reichenbach) 22.01.2006 (Text: Petra Steps)


Kleiner Mann verhindert Nachtarbeit an Krimis
Rodewischer Autorin Maren Schwarz schreibt fünftes Buch -
Am 17. Juni ist sie zu Gast bei Kriminacht im Netzschkauer Schloss

Rodewisch. Früher hat Mären Schwarz bis in die Nacht hinein geschrieben. Seitdem ihr Sohn Jonas auf der Welt ist, geht sie mit ihm ins Bett. Der ein Jahr und acht Monate alte Kleine will ohne seine Mama nicht einschlafen. "Ich kann aber dabei lesen und das ist fast so wichtig wie schreiben", so die in Rodewisch ansässige Autorin von Kriminalromanen.
Seit der Geburt des dritten Kindes, ihre beiden Töchter Rebecca und Isabell sind inzwischen 11 und 16 Jahre alt, hat sich im Arbeits- und Familienalltag von Maren Schwarz einiges geändert. Trotz Haushalt und Kindererziehung hält sie am Schreiben fest. "Kriminalromane schreiben, das ist meine Leidenschaft. Das möchte ich auch nicht aufgeben, zumal ich einen Verlag gefunden habe, mit dem ich in gutem Einvernehmen stehe. Außerdem wächst die Nachfrage nach meinen Büchern und Lesungen", so Maren Schwarz, deren bislang erfolgreichster Kriminalroman "Maienfrost" im Juli vergangenen Jahres erschien,
Es handelt sich um einen Rügen-Krimi, den die Autorin als Fortsetzung von "Grabeskälte", einem im Vogtland angesiedelten Roman, geschrieben hat. Wie alle ihre Bücher, die der Gmeiner Verlag herausbringt, haben auch der im Vorjahr zur Leipziger Buchmesse vorgestellte Roman "Dämonenspiel" und ihr fünftes Buch, an dem sie zurzeit arbeitet, regionalen Bezug. Einen Titel hat das neue Werk noch nicht. "Es handelt sich um ominöse Vorgänge in einer Privatklinik, die ich in Bad Reiboldsgrün angesiedelt habe", verrät Maren Schwarz. Gereizt hat die Autorin die Architektur des ehemaligen Kurbades. Auch die Hahnenhäuser bei Schnarrtanne spielen in dem Buch eine Rolle.
Wann das Buch fertig sein wird, dazu will sie sich noch nicht festlegen. "Es dauert eben jetzt viel länger, und ich komme nur zum Schreiben, wenn ich etwas mehr Zeit habe", so die dreifache Mutter, die meist die Vormittage zum Schreiben nutzt, wenn die Töchter in der Schule sind und Jonas von der Oma betreut wird. "Ohne meine, Mutter und meinen Mann könnte ich das nicht machen", ist Mären Schwarz dankbar, dass ihr die Familie so viel Verständnis entgegenbringt. Zur Vorstellung von "Dämonenspiel" bei der Leipziger Buchmesse war die ganze Familie mitgefahren. Auch der Familienurlaub auf Rügen wurde für Lesungen von "Maienfrost" genutzt.
Die Nachfragen für ihre Lesungen steigen. Jetzt hat sie eine Einladung nach Pirna. Im Vorjahr brachte Mären Schwarz ihre Krimis im Vogtland unter die Leute. Auch an Schulen und Gymnasien fand sie Zuspruch. "Wenn ich abends unterwegs bin, dann übernehmen Papa oder Isabell das Einschlafritual für Jonas. Manchmal plagt mich schon das Gewissen gegenüber der Familie", gesteht Mären Schwarz ein.
Dabei hat sie den Kopf voller neuer Ideen, die sie gern umsetzen möchte. Als sechstes Werk plant sie, wieder einen Rügen-Krimi. Mit Lesungen dabei sein wird Maren Schwarz beim "Mordsfrühling", den ersten ostdeutschen Krimitagen vom 8. bis 13. Mai in Zwickau, und bei der i. Sächsischen Kriminacht am 17. Juni im Schloss Netzschkau. Zudem ist Maren Schwarz Mitglied der Netzwerke "Sisters in Crime" und "Syndikat". Das Krimi-Journal des "Gmeiner-Verlages" stellte die vogtländische Autorin schon mehrmals vor.

Freie Presse 07.04.2006 (Text: Sybille Güntzel-Linger)


Vielleicht ein Schlossgespenst zur Kriminacht
Museumsbummel – Heute: Schloss Netzschkau, dem ein rühriger
Förderverein Leben einhaucht – Saisonbeginn am Karfreitag

Netzschkau. Wer einmal im Schloss Netzschkau war, sollte unbedingt wiederkommen. Aber nicht etwa, weil man bei einem einmaligen Besuch nicht alles sehen kann, sondern weil es immer wieder etwas Neues zu sehen gibt. Das ist dem rührigen Förderverein des Schlosses zu verdanken, der alljährlich zwischen April und Oktober Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert, die sich nicht verstecken müssen. „Es ist ja sonst nichts los in unserer kleinen Stadt, da müssen wir uns selbst drehen“, erklärt Vereinsmitglied Petra Steps das Engagement der 35 Mitstreiter.
Am Karfreitag beginnt die Saison im Schloss Netzschkau, frisch geputzt präsentiert es sich am Osterwochenende erstmals wieder den Besuchern. Und das gleich mit zwei Sonderausstellungen: P. Matthias Zängerlein zeigt Bilder und Objekte unter dem Titel „Leidenschaft – gesehen, gespürt, erlebt“. Und es gibt eine Fotoausstellung von Hans-Jürgen Flachmann, der gab man den etwas steifen Titel „Netzschkau und Mylau aus der Sicht eines auswärtigen Naturfreundes“. Schon im Juni geht es weiter mit „Mathematische Aspekte in der Bildenden Kunst“ und einer Karikaturenausstellung von Ralf Alex Fichtner. Der Mal- und Zeichenzirkel des Kulturbundes Reichenbach wird sich in diesem Jahr noch vorstellen, ebenso wie Doris Spitzner und Helmut Semeleit. „Ein besonderer Höhepunkt wird aber unsere Kriminacht am 17. Juni, dann lesen zehn Autoren vom Keller bis zum Dach und zwischen Abenddämmerung und Mitternacht aus ihren Büchern“, verrät Petra Steps.
Bleiben wir zwischen Keller und Dach, denn da gibt es im kleinen gemütlichen Schloss Netzschkau allerhand zu sehen. Fast kurios ist es, dass im Winter wegen fehlender Heizung geschlossen bleiben muss, wo doch besonders die beiden prunkvollen Kachelöfen, ein Meißner Ofen von 1880 und das wohl wertvollste Stück, der über vier Meter hohe Kachelofen auf einem Unterbau aus gusseisernen Platten von 1627, zu den besonderen Sehenswürdigkeiten zählen. Dazu gehört aber auch der Wappenschrank des Carol Bose – eines späteren Schloss-Besitzers – mit der Darstellung seiner Familienwappen. Dann wären da noch eine Dauerausstellung zur Schlossgeschichte zu sehen und jede Menge hübscher Räume, die das Schloss so anziehend machen. Das Trauzimmer beispielsweise mit der tollen Gewölbedecke oder der Festsaal mit der Stempelstuckdecke. Am Kachelofenzimmer lässt sich sogar noch ein Blick in eine historische Toilettenanlage werfen. Aber Vorsicht, dort wurde schon des öfteren ein Schlossgespenst gesichtet, vor allem, wenn Kindergruppen im Schloss unterwegs sind. Ob auf dem so genannten Fechtboden wirklich mal gefochten wurde, ist noch nicht geklärt. Dass sich das Dachgeschoss aber prima für Konzerte, Lesungen und ähnliches eignet, wurde schon hinreichend unter Beweis gestellt. Im Rundturmzimmer können Ausmalungen aus der Zeit nach 1626 betrachtet werden, auch im Viereckturmzimmer sind Wandbemalungen zu sehen. Und als Besonderheit eine Holzkassettendecke, die aus einem inzwischen abgerissenen Schlossteil stammt.
Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, nämlich die, dass das Schloss einst noch ein Langhaus und eine Schlosskapelle hatte. Aber die wurden wegen ihres desolaten Bauzustandes 1953 abgerissen. Der älteste Teil des Schlosses, der, der heute noch steht, entging diesem Schicksal nur mit Hilfe vieler Netzschkauer Bürger, die in ungezählten ehrenamtlichen Stunden und mit Unterstützung des Institutes für Denkmalpflege Dresden ihr Schloss retteten. Leute vom gleichen Schlag, wie die vom heutigen Förderverein, der sich um die Nutzung dieses Kleinodes im Vogtland bemüht.

Freie Presse (Kultur) 11.04.2006 (Text: )


Ein Mord kann einem das ganze Leben versauen

Netzschkau. Am 17. Juni (der Termin fällt rein zufällig auf den soundsovielten Jahrestag des Aufstandes von 1953 in der DDR) ist es endlich soweit. Auf Schloss Netzschkau lesen zehn Autoren während der 1. Sächsischen Krimi-Nacht ab 19 Uhr sozusagen aus den Filetstücken ihrer Werke vor. Dazu gehören unter anderem der Schwarzenberger Ralf Alex Fichtner, der neben seinen Karikaturen für den Eulenspiegel neuerdings auch Krimis schreibt, der Chemnitzer Mario Ulbrich, der an diesem Abend seine Polizisten aridem "Revier Tief-Ost" strammstehen lässt, und die Zwickauer Erfolgsautorin Claudia Puhlfürst, die mit elf Frauen vom Krimi-Stammtisch Sachsen die Idee zu dieser Veranstaltung hatte und dank des SchIoss-Fördervereins und dessen lektüreversessenem Mitglied Petra Steps die Tore zum gruseltauglichen Gewölbe des Schlosses geöffnet bekam. Mit Claudia Puhlfürst, die an ihrem fünften Krimi "Rache-Göttin" schreibt (Erscheinungstermin Februar 2007), hat sich Gerd Möckel dem Thema Krimi genähert.

Freie Presse: Frau Puhlfürst, wie alt sind Sie, wieviel wiegen Sie, und wie groß sind Sie?
Claudia Puhlfürst: Erstens: Man fragt nicht einmal eine Krimi-Autorin nach ihrem Alter. Ich bin einssiebzig groß und ein dickes Gehopse. Das können Sie ruhig schreiben, das macht mir gar nichts aus.
Freie Presse: Gerne. Ich habe mich nämlich gefragt, wie eine Frau quasi aus den Nichts heraus innerhalb von zwei Jahren vier Krimis schreiben kann, die sich auch noch gut verkaufen. Und wo bei Ihnen die Ideen-Maschine ihren Sitz hat Puhlfürst: Hhm. Die ersten beiden Bücher hatte ich vorgeschrieben und gewartet, bis ich mit dem Gmeiner-Verlag einen passenden Partner gefunden habe. Ansonsten brauche ich ein Jahr für einen Krimi, da ich noch als Berater und Autor für Schulbuchverlage mit naturwissenschaftlichem Profil tätig bin.
Freie Presse: Und die Ideen?
Puhlfürst: Ideen beziehe ich aus authentischen Fällen, aus dem Fernsehen oder der Zeitung. Alles andere entsteht beim Schreiben. Und das ist zu 95 Prozent ätzende Arbeit. Wie oft habe ich mir gesagt, du schreibst nichts mehr. Aber dann sitze ich wieder vorm Computer.
Freie Presse: Wie kann man sich das vorstellen?
Puhlfürst: Wenn ich frei habe, geht's mit Hund Bonnie um den Schwanenteich, dann gibt's Müsli und Joghurt. Dann setze ich mich an den Computer und schreibe los.
Freie Presse: Schwanenteich. Und Schwanensee?
Puhlfürst: Ich hasse Ballett.
Freie Presse: Und wie schreiben Sie ihre Krimis?
Puhlfürst: Ich habe keinen Plot, in dem zum Beispiel zehn Leute gesetzt sind, und die ich dann wie bei einem Schachspiel handeln lasse. Ich habe wirklich nur die Idee, und dann entwickelt sich alles erst beim Schreiben. Man kann auch sagen, es schreibt. Wenn der Hund nicht irgendwann wieder mal raus müsste, würde ich manchmal schreiben bis zum Umfallen. Ohne Essen und Trinken natürlich. So richtig selbstvergessen.
Freie Presse: Da gibt's dann bestimmt auch für Sie die eine oder andere Überraschung?
Puhlfürst: Na sicher. Die Leute wollen einfach nicht mehr machen, was ich für sie im Fahrplan vorgesehen hatte. Beim Mörder ist das aber ausgeschlossen, der geht immer seinen Weg, und es wird auch immer alles aufgeklärt. Aber die anderen Figuren... Da gibt es auch offene Ausgänge. Von mir wollten schon einige Leser wissen, ob Norbert die Atkins-Diät in "Dunkelhaft" durchhält, oder was bei einem Vaterschaftstest nun wirklich herausgekommen ist. Dann beginnt plötzlich die Detektivin eine Affäre mit einem Firmenchef. Da denke ich mir, Mensch Claudia, was hast du jetzt schon wieder angestellt.
Freie Presse: Hm. Vielleicht Wunschträume. Was träumen Sie eigentlich?
Puhlfürst: Ich bringe auch Leute um. Dann freue ich mich, wenn ich aufwache. Dabei denke ich nur, ich sei wach. Einfach schrecklich. Dann wache ich wirklich auf und bin erleichtert. Mit einem Mord versaut man sich doch das ganze Leben.
Freie Presse: Apropos. Sie lassen Ihr Personal an sehr authentischen Stätten zum Beispiel in Zwickau handeln. Gab's da schon Irritationen?
Puhlfürst: Ja. Zum Beispiel zwei Kollegen vom Kollwitz-Gymnasium Zwickau, in dem ich auch mal Bio und Chemie unterrichtet habe, meinten, ich hätte sie porträtiert.
Freie Presse: Was darf man von Ihnen bei der Krimi-Nacht erwarten.
Puhlfürst: Es ist die erste Krimi-Nacht in Sachsen. Da darf man doch gespannt sein, oder?

Karten für die Krimi-Nacht'gibt's in den Geschäftsstellen der "Freien Presse".

Freie Presse (Reichenbach) 20.04.2006 (Text: Gerd Möckel)


Krimiautoren servieren neben
Spannung auch noch Gaumenkitzel

Krimi-Anthologie vereint Sachsen und Sachsenliebhaber –Nachahmung nur für die typisch sächsischen Gerichte empfohlen – Buch gibt es bei der „Freien Presse“
Reichenbach. Auf glatt schwarzen Bucheinband leuchtet ein roter Fleck aus dem weiß-blauen Porzellanteller im klassischen Zwiebelmuster. Ist das nun Tomatensuppe oder …? Der Titel „Mördorrisch legger“ lässt verschiedene Deutungen zu, ganz so, wie es die beiden Herausgeberinnen des in der Reihe „TatortOst“ des Mitteldeutschen Verlages erschienenen Buches sicherlich gewollt haben. Ruth Borcherding-Witzke und Silvija Hinzmann stellten in ihrer Anthologie „Kulinarische Kurzkrimis aus Sachsen“ zusammen. Dabei erwartet die Leser nicht nur Spannung pur, sondern auch Gaumenkitzel.
Leipziger Allerlei, Eierschecke, Dresdener Stollen oder Quarkkeulchen, Presseler Fuhrmannspfanne oder Lausitzer Schichtkohl, Kartoffelsuppe und „Tote Oma“,  sind allesamt „Säk'sche Glassigger“ wie Lene Voigt behaupten würde. Nur in einem hatte die 1962 verstorbene Mundartdichterin Unrecht: Auch Sachsen „von echtem Schlaach“ sind „dod zu griechn“, wenn es sich um solch ausfeilte Kombinationen von krimineller Energie und Kochkunst dreht.
Anhand der Rezepte im Buch können die Gerichte mit gutem Gewissen nachgekocht werden, denn sowohl bei den Zutaten als auch in der Anleitung wurden die mörderischen Anteile weggelassen. Von den Mordsideen hingegen sollte man lieber die Finger lassen. Die Leipzigerin Ethel Scheffler meint: „Schwein sein lohnt sich nicht“, deshalb kommt das „Warme Eckchen von der Lauersau“ doch nicht wie geplant auf die Speisekarte. Beate Baum aus Dresden gesteht zumindest literarisch, dass sie die Eierschecke am liebsten ein wenig säuerlich mag. Die in Sachsenburg lebende Ruth Borcherding-Witzke schreibt über die Probleme einer auswärtigen Autorin mit sächsischem Humor. Dazu kredenzt sie Arme und wahlweise auch Reiche Ritter. Claudia Puhlfürst aus Zwickau lässt ihre Protagonistin das Leben bei liebevoll gekochtem „Hosnbroden mit Wigglkließ und Schwamme“ aushauchen. Für Nicht-Sachsen gibt es natürlich die Übersetzung ins Deutsche. Pilze spielen auch in der Beziehungskiste von Maren Schwarz aus Rodewisch eine Rolle, in Form von Vogtländischen Schwammespalken. Mit von der Partei sind beispielsweise auch die Glauser-Preisträgerin Nessa Altura oder die in Dresden geborene Lilo Heimann.
Nicht immer sind es die sächsischen Gerichte, durch die Problemsituationen auf kriminelle Art gelöst werden. In den Geschichten blüht die Phantasie der 19 Autorinnen, die entweder aus Sachsen stammen, ihren Lebensmittelpunkt hier haben oder sich dem ostdeutschen Bundesland in besonderer Weise verbunden fühlen. Die Tatorte liegen von der Lausitz bis ins Vogtland quer verstreut. Gemordet wird in allen Gesellschaftsschichten, bei verhinderten Studenten genau so wie in der illustren Künstlerszene oder im eher gut situierten Professorenhaushalt. Alles in allem ein Mordsgenuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Informationen: Die fünf in Sachsen lebenden Autorinnen lesen im Rahmen der ersten Sächsischen Krimi-Nacht am 17. Juni im Schloss Netzschkau aus ihren Kurzkrimis. Das Buch „Mördorrisch legger“ ist für 9,90 Euro in allen Geschäftsstellen der „Freien Presse“ erhältlich. In der Reichenbacher Geschäftsstelle gibt es auch Eintrittskarten für die Krimi-Nacht.

Freie Presse (Reichenbach) 17.05.2006 (Text: Petra Steps)



Anzeige im Kaufhaus


Schwarzer Humor bleibt im Halse stecken

Netzschkau. Kunst aus dem Erzgebirge ist seit Donnerstagabend im Cafe des Netzschkauer Schlosses zu sehen. Den Besucher erwarten allerdings weder heimelige Landschaften noch illustre Ausflüge ins Brauchtum. "Bei dieser Kunst graust es einem, und das soll so sein", sagte Reinhold Lindner, der bekannte Kulturjournalist der "Freien Presse", zur gut besuchten Eröffnung der neuen Ausstellung. Das Lachen, fügte er hinzu, könne einem bei diesen Bildern ruhig im Halse stecken bleiben. Dafür sehe man bestimmte Dinge in dieser Welt klarer.
Die Ausstellung trägt den bezeichnenden Titel "Kopfsalat - mörderische Cartoons". Hinter den gemalten und gezeichneten "Mordsgeschichten" verbergen sich die Schwarzenberger Ralf Alex Fichtner (54) und Alexander Fichtner (26), Vater und Sohn, beide bekannt als profilierte Vertreter des schwarzen Humors. Die kleine Schau dokumentiert eindrucksvoll zwei unterschiedliche Handschriften. Der Senior liebt die finstere Atmosphäre der Edgar-Wallace-Krimis. Selten fehlt auf seinen Cartoons das kalte Licht des Mondes. Es bescheint eine mit "Bitte nicht stören! Hafturlaub" gekennzeichnete Kinderschändung ebenso wie eine Straße, in der Bank, Waffenladen und Fluchtautoverleih in trauter Nachbarschaft firmieren.
Die Arbeiten des Juniors sind -ungeachtet ihrer unbeschwerten Farbgebung und der bewusst naiv gehaltenen Konturen - oft noch einen Zacken schärfer. Da legt Pitti-Platsch, weil gerade Vogelgrippe ist, Schnatterinchen um, da bewährt sich ein Beerdigungsinstitut als Fleischlieferant oder werden arme Teufel gezeigt, die im Weißen Haus dazu verdonnert sind, Normalpost von Briefbomben zu unterscheiden.
"Ich finde die Ausstellung ganz interessant. Hier kommt es darauf an, dass Idee und zeichnerische Umsetzung harmonieren. Das gelingt beiden Künstlern bewundernswert gut. Manche Motive freilich dürften nicht jedermanns Geschmack sein", sagte nach seinem Rundgang der sich meist heimatlichen Themen widmende Netzschkauer Maler und Zeichner Winfried Burkhardt.
Die "Kopfsalat-Ausstellung" ist nicht zuletzt gedacht als bildkünstlerische Umrahmung der 1. Sächsischen Kriminacht am Samstag, dem 17. Juni, wenn zehn Autorinnen und Autoren erwartet werden. Ralf Alex Fichtner gab am Donnerstag dann auch schon einen Vorgeschmack. Er las aus seinem kürzlich erschienenen ersten Buch "Vitrine des Grauens". Die Geschichte um einen Thriller-Autoren, den einer seiner Fälle "einholt", kam hervorragend an. Ebenso wie die vor Spannung schier berstende Titelmelodie, komponiert und auch selbst vorgestellt auf dem Akkordeon von Tochter Katharina.

Freie Presse (Reichenbach) 10.06.2006 (Text: Volker Müller)


Eine mörderische Kriminacht im Schloss

Einen "Mordsfrühling" der Krimiliteratur gab es in Zwickau. Eine Kriminacht wird es wie in ein paar Tagen in Netzschkau Ende es Jahres auch in Wildenfels geben. Nun denkt man darüber nach, diese Projekte miteinander zu verbinden.

Netzschkau. Schloss Netzschkau hat sich schon ausstaffiert. Die Startzeichen für die erste sächsische Kriminacht, die am kommenden Sonnabend den hübschen vogtländischen Renaissancebau zum Autoren-Tatort verwandeln wird, haben die Schwarzenberger Dunkelmänner Ralf Alex Fichtner und sein Sohn Alexander gesetzt. Tiefschwarzer Humor schlägt in einer Ausstellung mörderischer Cartoons der beiden im unteren Gewölbe des ansonsten verträumten Hauses zu. "Kopfsalat", so nennt sich die Schau, ist angerichtet. RAF, das verfängliche Monogramm von Ralf Alex Fichtner, ist aber nicht nur Signet auf den Cartoons, es ist auch eingetragen in die Liste der Autoren, die die Kriminacht bestreiten werden. Er hat vor kurzem seinen ersten Krimi veröffentlicht, eine finstere Geschichte in Worten wie in Bildern. Einen Vorgeschmack gab er schon zur Ausstellungseröffnung mit einer kurzen Lesung, mehr als einen Mord gestand er freilich nicht. Fort- o . Setzung folgt.
Zehn sächsische Autoren der Krimiliteratur werden in Netzschkau erwartet, fünf weibliche, fünf männliche. Von 19 Uhr an bis in die Mitternachtsstunde wird vom Keller bis zum Dach des Schlosses zu Lesungen eingeladen, im gruseligen Gewölbe ganz unten, in gemütlichen Salons, auf dem Pechtboden unterm Dach. Je nachdem, welche literarische Klinge gerade geschlagen wird. Claudia Puhlfürst aus Zwickau kündigt an, dass sie Kinder verschwinden lässt. Das ist so bitter ernst wie auf einem Cartoon von RAF, der einen Täter auf frischer Tat der Kindesentführung zeigt: Bitte nicht stören, bin in Hafturlaub!
Ganz anders Mario Ulbricht, der voller Humor in Polizeirevieren stöbert und die Ermittler in computergestützten Wirrwarr verwickelt. Ulbricht ist Redakteur der "Freien Presse" wie auch Jens Eumann, der historischen wie aktuellen Krimifällen auf neuen Spuren ist. Sie veröffentlichten im Chemnitzer Verlag ihre Bücher - "Die Männer vom Revier Tief-Ost" ist von Ulbricht geschrieben, "Der Frauenrumpf im Mühlenwehr" von Eumann. Was aber findet die Kommissarin Katharina Clever in der Küche? Etwa Kopfsalat? Das Geheimnis wird sich lüften lassen. Denn die Frage eines Krimianfangs wurde den Lesern anvertraut, die nun weiterschreiben sollten - ein Krimiwettbewerb. Ab 22 Uhr wird auf dem Fechtboden des Schlosses Netzschkau das Ergebnis bekannt gegeben. Spannung steigt.
Es lässt sich ja nichts ausdenken, was nicht schon grausige Wirklichkeit wäre oder zumindest gleich werden könnte. Die beiden Fichtners schlagen uns nach dem Motto "Tatort ist überall und immer" mit ihren Cartoons die Alltagsrealität derart um die Ohren, dass wir uns wie in einer Direktübertragung vorkommen und nicht mehr zu unterscheiden wissen, was auf dem Bildschirm stattfindet oder in der Femsehstube. Gefährlich naher Sarkasmus. Ein Comic zeigt den Totschlag, am Schluss die unvermeidliche, die wichtigste Mitteilung: "Dieser Mord wurde ihnen präsentiert vom Beerdigungsinstitut Sense". Oder die perfekte Geschäftsstraße: In der Mitte das schmucke Bankgebäude, links der Laden vom Waffenmeier, rechts der Revolvershop, davor der Fluchtwagenverleih. Drunter steht "Ein Lob dem Gewerbeamt" - Komplexstandort, Totalservice.
Die 1. sächsische Kriminacht in Netzschkau folgt dem literarischen "Mordsfrühling", der im Mai in Zwickau stattfand. Mittlerweile weitet sich das Projekt aus. Für 2007 sind ostdeutsche Krimitage im Gespräch, Interesse an einer Beteiligung wurde aus Schwarzenberg angekündigt, im Schloss Wildenfels wird schon im Herbst, am n. n. dieses Jahres eine Kriminacht in ähnlicher Weise wie in Netzschkau veranstaltet.

Freie Presse (Kultur) 13.06.2006 (Text: Reinhold Lindner)


Krimi-Nacht schlägt Wellen
von Ostfriesland bis Bayern

Deutschlandfunk und MDR info berichten aus Schloss Netzschkau

Netzschkau. Die 1. Sächsische Krimi-Nacht am Samstag im Schloss Netzschkau schlägt schon jetzt Wellen von Bayern bis nach Ostfriesland. Mit der Veranstaltung wird das wichtigste Vereinsziel des Fördervereins erfüllt: "Erhöhung des Bekanntheitsgrades" des Netzschkauer Schlosses.
Die Krimi-Nacht erscheint nicht nur auf allen gängigen Internetseiten von beteiligten Verlagen, Vereinigungen wie dem Syndikat oder den Sisters in Crime, sondern auch bei vielen Krimifreunden. In den letzten Tagen hat noch einmal ein richtiger Ansturm auf die Eintrittskarten begonnen, trotz Fußballfieber und Schönwetterperiode.
Kartenwünsche kamen zum Beispiel aus Selb und anderen Orten in Bayern, aus Berlin, Leipzig, Dresden und natürlich aus dem gesamten Vogtland und Westsachsen. Auch die Preise für die Kurzkrimis im Rahmen des Wettbewerbes "Tatort Küche" gehen quer durch die Republik: zu Ocke Aukes nach Borkum, zu Uwe Vöhl nach Bad Salzuflen und zu Birgit Käker nach Dresden.
Der Netzschkauer Bürgermeister Werner Müller (SPD), der zur Eröffnung der Karikaturenausstellung mit Bildern von Ralf Alex Fichtner und Alexander Fichtner schon einen Vorgeschmack auf das Ereignis bekam, wünschte den Organisatoren viele Gäste. Bemerkenswert ist auch die große Bereitschaft zur Unterstützung der Veranstaltung. Verlage, allen voran der Gmeiner-Verlag, aber auch das Polizeirevier, das Kommunale Bestattungswesen, die Kelterei Göltzschtal oder weitere Firmen unterstützten den Verein mit allem, was für ein Gruselszenario benötigt wird. Ohne die Schaufensterpuppen vom Autohaus Löffler und von Heike Grünwald hätten die Tatorte nicht so realistisch gestaltet werden können.
Auch das Medienecho ist stark. Beiträge zur Krimi-Nacht werden am Freitag ab 15 Uhr in der Sendung Corso des Deutschlandfunks sowie am Sonnabend tagsüber bei mdr info zu hören sein.

Freie Presse 15.06.2006 (Text: Petra Steps)


"Lebendige Leichen" inklusive

Kriminacht im Netzschkauer Schloss:
Claudia Puhlfürst las aus ihrem Krimi "Dunkelhaft" und verbreitete Spannung.

Netzschkau. Auf den Netzschkauer Schlossförderverein ist Verlass. Wer mit Liebe Ausstellungen aufbauen und Räume für Konzerte herrichten kann, dem geht auch das Gruselige von der Hand. Zur ausverkauften 1. Sächsischen Kriminacht am Samstag gab es keinen Winkel im Schloss, aus dem nicht ein Totenvogel. ein Skelett oder ein spezifisches Tatmerkrnal geschaut hatte. Von den Sachen, die hinter den rot weißbebänderten Polizeiabsperrungen zu sehen waren, ganz zu schweigen.
Im Festsaal, wo die Zwickauer Autorin Claudia Puhlfürst aus ihrem Krimi "Dunkelhaft" las, war die unheimliche Szenerie des Geschilderten eins zu eins aufgebaut. Ihren Namen alle Ehre machten die zwei "lebendigen" Leichen. Mit Theaterblut und Schminke als mausetot drapiert, halfen sie eifrig beim Auftragen der "Pausenverpflegung". Die Heinzelmännchen waren Isabel Schwarz und Florian Steps, beide 15 Jahre alt und von Familie wegen mit der seitens der Stadt Netzschkau sowie einer Reihe von Sponsoren unterstüzten Veranstaltung eng verbunden. Isabels Mutter, die Rodewischerin Maren Schwarz, gehörte zu den zehn Autoren der Kriminacht, und Florians Mutter Petra darf mit Fug und Recht als Ideenstifterin und federführende Organisatorin der Premi­re angesehen werden, bei der es drei, alle Etagen des Gebäudes nutzende Lesestaffeln, ein Finale auf dem Fechtboden und lockere Gespräche zum Ausklang gab.
Perfekt organisiert. Hier kann man Schriftsteller hautnah und in einer einmaligen Atmosphäre erleben", lautete das Urteil von Sylvia und Eberhard Weber aus Treuen. Der Ellefelder Maler und Projektkünstler Peter Matthias Zängerlein, der kürzlich in der Schlossgalerie ausstellte, meinte: "Netzschkau ist für mich zu einem wichtigen Ort geworden. Hier finde ich immer wieder neue Anregungen und vor allem auch wichtige Kontakte." Zängerlein hatte am Samstag Verwandte, die aus dem Allgäu zu Besuch gekommen waren, mitgebracht.
Einen anregenden Abend verlebten auch Petra Gebhardt und Katrin Menzer von der Vogtländischen Buchhandlung in Reichenbach. In den Pausen betreuten sie den Büchertisch; während der Lesestaffeln saß immer eine Kollegin unter den Zuhörern. Übereinstimmende Meinung: "Claudia Puhlfürst muss man einfach lesen gehört haben."
Bürgermeister Werner Müller machte am Samstag kein Geheimnis aus seiner Auffassung, dass es im nächsten Jahr unbedingt eine zweite Auflage der Sächsischen Kriminacht geben sollte. Um noch weitere Anhänger für die spannende Literatur zu gewinnen, so Müller, würden für die Stadtbibliothek alle Bücher gekauft, aus denen zur Premiere gelesen wurde.

Freie Presse 19.06.2006 (Text: Volker Müller)


Volles Haus bei Netzschkauer Kriminacht
Lesemarathon im Schloss soll 2007 seine zweite Auflage erleben

Netzschkau. "Nie und nimmer hätte ich das erwartet. Wir sind ja hier ziemlich weitab vom Schuss und dann ein volles Haus. Wie das manchmal zugeht, werde ich nie begreifen", zuckt der Chemnitzer Ver­leger Jörg Neubert die Schultern. Er steht am Samstagabend vor dem Netzschkauer Schloss, einem an­heimelnden, nichts Wehrhaftes verströmenden Renaissancebau. Alle vier Stockwerke sind erleuchtet, das Haus ist voll, die Besucher drängeln sich. Doch man hört keinen Laut. Bei der 1. Sächsischen Kriminacht läuft gerade wieder eine Leserunde.
Die Nacht steht ganz im Zeichen der zehn Lesungen. Unten, im Schloss-Cafe liest der Schwarzenberger Cartoonist Ralf Alex Fichtner, dessen ersten Krimi „Vitrine des Grauens" Jörg Neubert in seinem Phillis-Verlag herausgebracht hat. Darüber, im Trausaal, liest die Leipzigerin Ethel Scheffler ihren Beitrag zur Kriminalistisches und Kulinari­sches vereinenden Anthologie „Mörderisch legger". Im auf gleicher Höhe liegenden Festsaal liest der Chemnitzer Mario Ulbrich aus seinem sa­tirische Elemente nicht scheuenden Buch "Die Männer vom Revier Tief-Ost". Eine Etage höher, in der Galerie, liest der aus Leipzig kommende Uwe Schimunek aus seinem Kurz­krimi "Auf der Jagd".
Fechtboden und Bosezimmer im dritten Obergeschoss bleiben in dieser Staffel lesefrei - dort laufen die Vorbereitungen fürs Finale. Dafür passiert ganz unten etwas, im von Fackeln erleuchteten Keller. Dort liest Henner Kotte aus „Mörder, Monster, Menschenfresser". Der Wahl-Leipziger hat die Einbeziehung des "Verlieses" zu verantworten. Bei einem vorbereitenden Tref­fen wurde er auf die illustre Räumlichkeit aufmerksam und erklärte, nur dort lesen zu wollen.
"Da habe wir uns etwas einfallen lassen müssen. Da waren Treppen­stufen zu erneuern, für die nötige Beleuchtung zu sorgen und so weiter ..."  erzählt  Petra  Steps  vom Netzschkauer Schlossförderverein, dem Veranstalter der Kriminacht. Der 1998 gegründete, heute rund 35 Mitglieder zählende Verein zeichnet seit geraumer Zeit für das Kulturangebot im Schloss verantwortlich, organisiert fleißig Ausstellungen, Lesungen, Konzerte. Man hat sicheinen Namen gemacht; daher erklärt sich zum guten Teil der rege Besuch des Lesemarathons. Die nicht unbedingt für Krimis schwärmende Petra Jost aus Hirschfeld ist begeistert." Wir kommen eben aus der Lesung  mit Jens Eumann über authentische Kriminalfälle in Chemnitz. Der  Mann hat ja regelrecht ein Stück Landesgeschichte aufgearbeitet. Ich  bin mit meinem Mann und meiner Tochter hier. Wunderbar, wie das Schloss ausgestaltet ist."        
Auch zu den weiteren Akteuren strömen die Besucher, zu Beate Baum (Dresden), Claudia Puhlfürst (Zwickau), Maren Schwarz (Rodewisch) und Ruth Borcherding-Witzke (Sachsenburg). Im kommenden Jahr soll es deshalb eine zweite Auflage der Netzschkauer Kriminacht geben.

Freie Presse (Kultur) 19.06.2006 (Text: Volker Müller)


 

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